Interview mit Melanie Bottke


Liebe Melanie, seit über einem Jahr gibt es deinen Debütroman, „Auf leeren Seiten“, mittlerweile zu kaufen. Kannst du uns sagen, wie sich dein Alltag seit der Veröffentlichung verändert hat?

Ich konnte seitdem den Kontakt zu vielen Lesern aufbauen und den zu einer Reihe toller Autoren und Buchblogger vertiefen. Daraus sind fantastische und inspirierende Gespräche und sogar enge Freundschaften entstanden, für die ich sehr dankbar bin. Ich habe im Laufe dieses Jahres außerdem einen Hamburger Autorenstammtisch gegründet, erste Lesungen gehalten, eine Signierstunde absolviert, eine Buchmesse besucht und auch ein neues Buch geschrieben. Mein Alltag allerdings ist mit einem Vollzeitjob abseits des Bücherschreibens und damit, beim Einkaufen natürlich nach wie vor von niemandem erkannt zu werden, quasi der selbe geblieben.


Wenn du „Auf leeren Seiten“ mithilfe von drei Schlagworten beschreiben müsstest, welche wären es und wieso?

Ungewöhnlich – Nicht zuletzt, weil die Story schwer in nur ein Genre zu fassen ist. Sie ist einfach „anders“ und ich habe mich bemüht, der Geschichte den Raum zu geben, den sie braucht, um ihre Andersartigkeit komplett zu entfalten, auch wenn sie dadurch nicht ganz so leicht einzuordnen ist.

Komplex – Damit meine ich allerdings nicht kompliziert und auch nicht ungemein verschachtelt oder episch erzählt. Die Geschichte spielt sich in kleinem Kreise ab, aber ich habe viele Hinweise, die in die Auflösung am Schluss mit reinspielen, überall im Buch versteckt. Um die ganze Logik des Endes zu genießen, muss man etwas aufmerksam lesen.

Bewusstseinserweiternd – Für die Sinne, den Geist und emotional. Ich möchte die Leser auf viele Arten erreichen und auch die Möglichkeit geben, die Dinge anders zu sehen als gewöhnlich. Die Geschichte soll im besten Falle sowohl Freunden von Handlungen aus dem echten Leben, als auch Fans von surrealen Storylines etwas bieten.


Wann und wie kam es zu der Idee für die Geschichte?

Ehrlichgesagt: beim Überlegen auf dem Sofa. Meine Plots entstehen meist aus Ideen, die ich über die Zeit in diversen Notizbüchern sammle. Wenn ich den Vorsatz habe ein neues Buch zu schreiben, gehe ich die Ideen durch, puzzle zusammen was für mich passt und ergänze all das um neue Ideen, die Lücken schließen und  den Plot rund machen. Bei mir passiert es selten, dass mich eine komplett neue Idee spontan überkommt, die ich sofort für buchreif halte und umgehend losschreiben möchte. Ich gehe das eher strategisch an.


Kannst du uns ein paar Einblicke in den Schreibprozess deines Buches geben? An welchem Ort entstand die Geschichte und wo suchtest du dir Inspirationen?

Als Basis für „Auf leeren Seiten“ dienten mir sowohl Menschen und Begegnungen, die ich selbst in meinem Leben hatte als auch Erfahrungen, die ich mit anderen Autoren ausgetauscht habe, aber auch vieles aus meiner beruflichen Vergangenheit. Ich komme ursprünglich aus dem Buchhandel und konnte mit der Story einige meiner Berufserfahrungen nutzen und einbringen.
Was den Ort betrifft in dem das Ganze spielt: Das Camp ist zum Beispiel eine Mischung aus meiner ehemaligen Berufschulumgebung, einem besonderen Hotelkonzept, das ich aus Berlin kenne und einem Park, den ich in einem Schulausflug in meiner Abiturszeit besucht habe. Natürlich kam dann noch eine ordentliche Portion Fiktion und Fantasie dazu.
Genauso mache ich es auch mit Charakteren. Sie sind immer eine Mischung aus Menschen, die mir begegnet sind, gemixt mit Eigenschaften, die ich brauche, um meine Geschichte in die richtige Richtung zu entwickeln. Bei „Auf leeren Seiten“ habe ich absichtlich auf einige Stereotypen gesetzt, die ich um besondere Eigenschaften ergänzt habe.
Inspiration finde ich dazu überall im Leben und plotte in erster Instanz bevor ich schreibe sehr ausführlich, da ich gern mit einem Fahrplan arbeite, um „Geschwafel“zu vermeiden. Ich möchte zum Wohle des Lesers in jeder Szene zielführend sein, um die wichtigen Nuancen der Story herauszuarbeiten.


Flossen gewisse Eigenschaften oder Charakterzüge von dir in Bianka hinein? Immerhin ist sie – genau wie du während des Schreibprozesses –  angehende Autorin…?

Ja, in Bianka steckt auf jeden Fall einiges von mir. Genauso aber in Wolfgang, Dennis, Lucy oder Romy. In allen sind Facetten von mir mit verwurstet und gleichzeitig viel, das so gar nicht ich bin. Jede Person ist für mich ein Gedankenexperiment. Manche näher an mir selbst dran, andere weniger.
Bianka ist in dem Buch paradoxerweise ja die, über die man am wenigsten in ihrer Autorentätigkeit erfährt. Sie ist für mich vor allem als Beobachterin und soziale Kontakterin wichtig, die den Leser über ihre Handlungen mehr über die anderen Autoren und ihre Arbeit erfahren lässt. Das haben mir einige Leser auch kritisch angemerkt, was ich absolut okay finde. Für mich war sie oft eher ein Werkzeug, das als Augen und Ohren für den Leser fungieren sollte. Man erfährt zwar viel über sie als Mensch, aber als Autorin war sie für mich nie die Hauptakteurin und trotz einiger Parallelen auch nie mein persönliches Spiegelbild.


Welcher deiner Buchcharaktere hat bei dir einen besonderen Eindruck hinterlassen und wieso?

Eigentlich tun sie das alle auf ihre Weise. Aber der psychopathische Theo ist mein Liebling. Ihn als Figur zu entwickeln hat für mich am meisten Spaß gemacht, deswegen habe ich ihm gern den vielen Raum im Buch gegeben. Gerade in der zweiten Buchhälfte taucht er ja immer häufiger auf. Das liegt natürlich in erster Linie im Spannungsaufbau begründet, andererseits kam mir das aber auch beim Schreiben zu Gute, weil ich, je mehr ich Theo im Schreibprozess selbst kennengelernt habe, immer mehr Lust hatte ,über ihn zu schreiben und ihn sein krankes Unwesen treiben zu lassen.


Jeder Autor des Camps hat eine eigene Geschichte mitgebracht, die er/sie während des Aufenthaltes fertigstellen möchte. Gibt es unter diesen eine Geschichte, die dir am meisten gefallen hat?

Definitiv „Der Siedepunkt des Eiswassers“ von Lucy. Darum habe ich dieser Autorengeschichte auch etwas mehr Platz eingeräumt als den meisten anderen. Ich mag als Leserin selbst Plots am liebsten, die halb real aber auch ein bisschen verrückt sind, so wie es ja auch „Auf leeren Seiten“ ist. Und bei Lucy fand ich es besonders spannend, die Leser einen Blick darauf werfen zu lassen, wie ihre crazy Story entsteht.


Wie fühlt es sich an, wenn du von Lesern positives Feedback für deine Geschichte bekommst?

Großartig natürlich. Ich glaube, für jeden Autor, der veröffentlicht, gibt es kaum ein größeres Kompliment, als zu erfahren, dass der Leser das Buch genossen hat. Ich bin selbstverständlich auch für negative Kritik offen. Man kann sich immer verbessern und ich nehme niemandem seine Meinung krumm. Lesergeschmäcker sind verschieden. Aber positives Feedback ist natürlich das größte und ich freue mich immer, wenn Leser mich auf welchen Wegen auch immer, wissen lassen, wie ihnen „Auf leeren Seiten“ gefallen hat.


Würdest du irgendetwas anders machen, wenn du die Zeit bis vor der Entstehung des Buches noch einmal zurückdrehen könntest?

Ja, durchaus. An einem Buch kann man in jedem weiteren Bearbeitungsdurchgang immer wieder Dinge optimieren. Eigentlich ist man nie fertig und auf alle Ewigkeit damit zufrieden. Aber irgendwann muss man einfach einen Cut setzen und sagen „So, jetzt ist aber mal Schluss.“ Sonst besteht auch die Gefahr bei allen guten Änderungen andere Dinge zu verschlimmbessern.
„Auf leeren Seiten“ ist nicht perfekt. Und ich könnte daran mit mittlerweile gesammelter Erfahrung noch einiges aufwerten. Aber ich liebe die Geschichte, die Charaktere, die Art und Weise wie sich die Story entwickelt und all die kleinen Ideen von der sie lebt – ich bin also immer noch zufrieden und es ist für mich okay, dass ich die Zeit nicht zurückdrehen kann.
Ein aktuelles Buch ist immer auch ein aktueller Querschnitt des Könnens und der derzeitigen Erfahrungen des Autors. Ich denke das ist okay und viele Leser verzeihen auch einem Stephen King oder Sebastian Fitzek gern manche Unbedarftheit ihrer früheren oder auch noch heutigen Werke.


Du hast bereits angedeutet, dass „Auf leeren Seiten“ nicht dein letztes Buch sein wird. Kannst du uns Lesern schon einen kleinen Ausblick geben? Worauf dürfen wir uns in den nächsten Jahren freuen?

Das stimmt. „Auf leeren Seiten“ war das dritte Buch, das ich bisher geschrieben habe. Davor habe ich bereits einen High-Fantasy-Roman und ein Fantasy Kinderbuch geschrieben. Die beiden waren auch schon vor meinem Debüt bei einem Verlag unter Vertrag, dieser hat sich jedoch leider aufgelöst, deshalb sind die Geschichten erneut auf der Suche nach einem Zuhause.
Nach „Auf leeren Seiten“ habe ich einen dystopischen Science-Fiction-Krimi geschrieben, mit dem ich nun auf der Suche nach einer Literaturagentur bin, die mich bei der Suche nach passenden Verlagen unterstützt. Aber so ein Platz ist nur schwer zu ergattern, gerade wenn man schriftstellerisch in etwas ungewöhnlichen Genremischungen unterwegs ist. Aber mit etwas Geduld und Glück wird hoffentlich bald wieder etwas von mir zu lesen sein. Ich freue mich schon darauf und ich hoffe meine Leser auch.


Ich bedanke mich vielmals für deine Zeit und wünsche dir noch viel Erfolg für die Zukunft!

Falls ihr mehr über Melanie erfahren möchtet, könnt ihr auch bei ihrem Blog vorbeischauen.


Über Auf leeren Seiten:

Eine Woche, zehn Schreibtalente und viele Geheimnisse …

Das Schreibcamp mitten im Nirgendwo wird für Jungautorin Bianka Steinkamp zum Abenteuer. Nichtsahnend taucht sie in die Buchwelten exzentrischer Künstlerseelen ein und verfällt einem rätselhaften Querdenker. Doch der Weg vom Nobody zum Bestsellerautor fordert manchmal extreme Methoden. Und unversehens findet sich Bianka als Spielfigur in einem moralisch zwiespältigen Experiment wieder. Höchste Zeit für sie, die Hintergründe aufzudecken.

Wer zieht welche Fäden? Wo beginnt die Kette der Lügen? Und was hat es mit dem psychopathischen Theo auf sich? Wenn Ideen Wellen schlagen, verschwimmen allzu leicht die Grenzen von Realität und Fiktion.


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